Archiv Stefan Jäger


Bibliografie
Artikel Nummer: 1150
Autor Name: stu
Titel des Artikels : Eine vergangene Welt mitten in Europa
Publikation: Zeitung
Titel der Publikation: Odenwälder Zeitung
Erscheinungsort: Weinheim
Datum: 06.06.2017
Seite: 10
* [[stu]]: [[ART:1150 - Eine vergangene Welt mitten in Europa|<i>Eine vergangene Welt mitten in Europa</i>]]. Odenwälder Zeitung, Weinheim 06.06.2017
Der Vorsitzende der Heimatnrtsgemeinde Guttenbrunn, Bernhard Krastl (links) brachte den Gästen bei der Ausstellungseröffnung im Fürther Rathaus Leben und Werk von Stefan Jäger näher. Bild: Fritz Kopetzky


Ausstellung: Im Rahmen des Pfingsttreffens der Guttenbrunner sind noch bis Donnerstag Werke von Stefan Jäger zu sehen
Eine vergangene Welt mitten in Europa

Fürth. Alle zwei Jahr findet in Fürth das Pfingsttreffen der Heimatortsgemeinde Guttenbrunn der Banater Schwaben statt. Am Wochenende war es wieder so weit. Das Banat, im heutigen Rumänien zwischen Donau Theiß und den Ausläufern der Südlichen Karpaten gelegen, ist ein Landstrich mit wechselhafter Geschichte. Im 18. Jahrhundert wurden auf Betreiben der Habsburgermonarchie Einwanderer aus dem deutschen Reichsgebiet angesiedelt. Die drei Einwanderungswellen nannte man „Schwabenzüge“, obwohl durchaus nicht alle Siedler aus Schwaben kamen.
Der Ort Guttenbrunn ist 1724 von Deutschen, die zum größten Teil aus Fürth stammten, gegründet worden. Der im Laufe der Geschichte immer wieder wechselnden nationalen Zugehörigkeit des Banats setzten die deutschstämmigen Einwohner ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl entgegen. Das Ende des Zweiten Weltkriegs hatte verheerende Folgen für die Banater Schwaben: Flucht, Deportation, Zwangsevakuierung. Ab den 80er-Jahren des vorigen Jahrhunderts gab es massive Auswanderungsströme, besonders nach dem Sturz des Ceausescu-Regimes.
Das Guttenbrunner-Pfingsttreffen soll das historische Bewusstsein und das Gemeinschaftsgefühl der Banater Schwaben stärken. Diesem Ziel dient auch ein Kunstprojekt der besonderen Art im Foyer des Fürther Rathauses. Am Freitagabend eröffnete dort Beigeordneter Friedel Rau, in Vertretung von Bürgermeister Volker Oehlenschläger, die Stefan-Jäger-Ausstellung. Rau dankte allen Beteiligten für ihre Arbeit und wünschte der Ausstellung den verdienten Erfolg.
Über die Biografie des aus dem Banat stammenden Künstlers Stefan Jäger und die Bedeutung seines Werkes für die heutige Beziehung zwischen Deutschen und Rumänen referierte Bernhard Krastl, langjähriger ehemaliger Bundesvorsitzender der Landsmannschaft der Banater Schwaben und Vorsitzender der Heimatortsgemeinschaft Guttenbrunn.
Stefan Jäger wurde am 28. Mai 1877 in Csene im damaligen Kaiserreich Österreich-Ungarn geboren. Schon früh, mit 16 Jahren, erkannte er seinen Hang zur Malerei. Ein vierjähriges Kunststudium absolvierte er an der Modellzeichenschule in Budapest. Er arbeitete vorwiegend an Heiligenbildern, Stillleben und Landschaftsmalereien mit gutem Erfolg. 1906 bestellte die Gemeinde Gyertyámos (deutsch Gertjanosch) ein Gemälde zum Thema „Die Ansiedlungen der Deutschen im Südosten“. Das Projekt wurde durch eine große Sammelaktion finanziert. Hieraus entstand Jägers größtes Werk, das Einwanderungs-Triptychon, das sich als Dauerleihgabe des Banater Museums im Kulturzentrum Temeswar befindet.
1906 unternahm Jäger Reisen durch Österreich, Deutschland und Italien, wo er die Trachten der Vorfahren aus den verschiedenen Siedlungslandschaften studierte. Seine Kompositzeichnungen halten die verschiedenen Stationen der Ansiedlung während der Schwabenzüge fest. Besonderen Wert legt er auf die Detailtreue der Trachten; auch die der einheimischen Rumänen und Serben. Jäger kann daher als Meister der Trachtenmalerei aufgefasst werden.
1910 ließ sich Jäger in Zsombolya (deutsch Hatzfeld, rumänisch Jimbolia) nieder, wo er bis zu seinem Tod 1962 lebte. In seinem ehemaligen Atelier wurde 1969 eine Stefan-Jäger-Gedenkstätte eingerichtet, aus der das heutige Stefan-Jäger-Museum hervorging.
1966 wurde die „Stefan-Jäger-Stiftung“ ins Leben gerufen, deren Zweck die Unterstützung der deutschen Minderheit sowie die Pflege der deutschen Sprache und des Brauchtums ist. Unterstützt wird sie hierbei vom Hilfswerk Banater Schwaben. Um auch der jüngeren Generation das Interesse an ihrer Tradition zu erhalten, wurde der Stefan-Jäger-Preis geschaffen, welcher an Personen unter 30 Jahren verliehen wird, die sich diesem Ziel besonders widmen. All dies macht deutlich, welche herausragende Bedeutung Stefan Jägers Werk für die Banater Schwaben, aber auch für die Rumänen hat.
Die in Fürth ausgestellten Aquarellen und Ölgemälde zeigen überwiegend Szenen des damaligen Landlebens. Eine Glasvitrine direkt am Eingang zeigt Bilder mit direktem Bezug zu Fürth. Es sind Bilder aus einer Welt, die der Vergangenheit angehört. Eine Welt aber, die nicht vergessen werden sollte, denn sie gehört zur Geschichte des heutigen Europas.
stu

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