Stefan Jäger Archiv

ART:0953 - Unsere Identität kann sich auch in der heutigen pluralistischen Gesellschaft wohltuend behaupten

Aus Archiv
Wechseln zu:Navigation, Suche
Bibliografie
Artikel Nummer: {{{Artikelnummer}}}
Autor Name: Blaha, Rudolf
Aufsatztitel: Unsere Identität…
Zeitungstitel: Banater Post
Erscheinungsort: München
Jahrgang: 58
Nummer: 16
Datum: 20.08.2014
Seite: 8
* [[ART:0953 - Unsere Identität kann sich auch in der heutigen pluralistischen Gesellschaft wohltuend behaupten|Blaha, Rudolf. Unsere Identität…. Banater Post München 2014]]

Unsere Identität kann sich auch in der heutigen pluralistischen Gesellschaft wohltuend behaupten

Heimat und kulturelle Identität

Unsere Identität als Banater Schwaben ist eng verbunden mit unserem Verständnis von Heimat. Heimat kann man nicht vererben, sie ist in unserem Kopf und in unserer Seele (Horst Bienek). Unsere Heimat war das Banat, unsere Muttersprache Deutsch (Richard Wagner). Aber ist in dieser Heimat nicht irgendwann eine Sehnsucht nach dem Mutterland, nach einer neuen Heimat aufgekommen, und wenn ja, welches sind die Gründe hierfür?

„Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben, der täglich sie erobern muss“, hat Johann Wolfgang Goethe tiefgründig angemahnt. Und genau dies wurde uns verwehrt, und daran waren wir als Individuen schuldlos. Das Vermächtnis unserer Vorfahren, von der in Besitz genommenen Heimat nicht zu weichen (Adam Müller-Guttenbrunn), konnten wir aus guten Gründen nicht mehr erfüllen.

Aber gibt es da nicht noch eine ganz alte Heimat, den süddeutschen Sprachraum, aus dem ab 1718, initiiert durch Karl VI. und Maria Theresia, Menschen in das Banat gewandert sind? Ja, diese ganz alte und wieder neue Heimat gibt es, und wir haben sie für uns wiederentdeckt.

Und unsere Identität, über viele Generationen im Banat erworben, sie bleibt bestehen. Sie wurde uns in die Wiege gelegt, und wir wollen sie auch nicht leugnen oder aufgeben. Wir wollen sie bewahren, und dies geht einher mit der Identitätsfindung in der neuen Heimat. Eines schließt das Andere nicht aus, und beides kann sich harmonisch ergänzen (Josef Jakob).

Aber wie können wir die banatschwäbische Identität definieren? Zunächst ist da unsere eigene Identität. Bei dem, worum es uns hier geht, wird diese geprägt durch die Eigentümlichkeiten unseres Wesens und diese wiederum durch die Gemeinschaft der Banater Schwaben, der wir seit knapp 300 Jahren angehören, sowie durch das kulturelle Umfeld, in dem wir lebten. Fühlen wir uns angesprochen, wenn uns nachgesagt wird, dass wir ehrlich, fleißig und sparsam seien? Ist sicher nicht ehrenrührig, aber schon etwas plattitüdenhaft. Etwas aussagekräftiger sind wohl die uns zugesprochenen Eigenschaften wie scharf ausgeprägtes Selbstbewusstsein, nicht demütig und selten unterwürfig, nicht sehr tief religiös (Hans Hagel). Persönlich erlaube ich mir noch hinzuzufügen, dass uns eine hohe Sensibilität für Gerechtigkeit eigen ist.

Ein Symbol für die unserer Gemeinschaft innewohnenden Identität kann das Einwanderungsbild von Stefan Jäger sein. Es hat nichts zu tun mit dem sonst weltweit üblichen Getöse von heldenhafter Landnahme oder dergleichen, sondern es zeigt, wie unsere Vorfahren in aller Bescheidenheit Heimat finden. Das historische Gemälde Jägers ist frei von großen Gesten und von Überheblichkeit, und es ist das Werk, mit dem wir uns identifizieren, es ist ein Stück von uns (Franz Heinz).

Unsere Identität hat sich zwar im Laufe der Zeit gewandelt, sie ist aber letztlich doch zu einem unverkennbaren Wesensmerkmal geworden, das sich auch in unserer heutigen pluralistischen Gesellschaftsordnung wohltuend behaupten kann.