Stefan Jäger Archiv

Art:0008 - Zum Geleite

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Bibliografie Aufsatz
Aufsatztitel: Zum Geleite
Name des Herausgebers: Schwäbisch-deutscher Kulturbund (Hg)
Buchtitel: Kulturbund-Kalender für das Gemeinjahr 1921
Reihentitel: Erster Jahrgang
Erscheinungsort: Veliki Becskerek
Verlag Verlag des Schwäbisch-deutschen Kulturbundes
Entstehungsjahr 1921
Seite: 21
* [[Art:0008 - Zum Geleite|. Zum Geleite. Kulturbund-Kalender für das Gemeinjahr 1921 Veliki Becskerek Verlag des Schwäbisch-deutschen Kulturbundes 1921]]


Zum Geleite.


Das jähe Ende des größten Völkerringens aller Zeiten hat uns Deutschen der einstigen österreichisch-ungarischen Monarchie das alte, morsche Dach über dem Kopfe weggerissen, hat uns von Freund und Bruder getrennt und alle gewohnten Verbindungen mit einem Schlage unterbunden. Hilflos und verlassen, in verschiedenen Nationalstaaten verteilt, standen wir plötzlich da.

Die fast drei Viertelmillionen zählenden Deutschen Jugoslawiens waren in der Monarchie nicht nur auf weiten Gebieten des Staates verstreut, sie waren nicht nur verschiedener Stammeszugehörigkeit, sie hatten auch ungleiche kulturelle Entwicklungen durchgemacht und nicht den gleichen geschichtlichen Werdegang genommen. So fanden wir uns als fremde Brüder in einem neuen Staate.

Die alte Welt war hinter uns versunken, und vor uns leuchtete in hoffnungsfrohem Glanz die Sonne unseres neugestärkten völkischen Bewusstseins. Vor den Augen aller Deutschen Südslawiens tat sich im neuen Staate auch eine neue Welt auf: die Schwaben der Wojwodina und Kroatien-Slawoniens erhofften sich eine freie völkische Zukunft, die Deutschen Sloweniens und Bosniens hingegen erwarteten, dass der im Zeichen des Minderheitsschutzes aufgetretene Zeitgeist ihre bisherige völkischen Rechte unangetastet lassen werde.

Es sind hehre Ziele, wert der Arbeit unserer besten. Erreichen können wir sie aber nur dann, wenn wir Deutschen Jugoslawiens uns in wahrer Brüderlichkeit einig zusammenschließen und unsere Pflichten gegen Volk und Staat treu erfüllen.

Der am 20. Juni 1920 in Neusatz im Beisein von vielen Tausenden deutschen Volksgenossen aus allen Gauen unseres neuen Vaterlandes gegründete Schwäbisch-deutsche Kulturbund hat die Volkstreue und Staatentreue auf seine Fahne geschrieben. Volkstreu müssen wir sein, wenn wir unserer geschichtlichen Sendung gerecht werden, unsere Muttersprache und unser Ahnenerbe behaupten wollen. Staatstreu wollen wir sein, ohne Zwang, aus freien Stücken, weil das Blühen und Fortschreiten des Staates auch das Gedeihen und Fortschreiten unseres deutschen Volkstums bedeutet.

Wir werden noch ungeheure Arbeit zu leisten mit schweren Sorgen zu kämpfen haben, Heimsuchungen und Schicksalsprüfungen aller Art ausgesetzt sein, bis wir in unserem Kulturbunde vereint, wenigstens die Hauptziele erreicht haben. Wir müssen uns zunächst selbst erst gegenseitig kennen lernen, müssen eine Vorstellung über unsere Siedlungsgebiete, unsere unterschiedliche kulturelle, wirtschaftliche und soziale Lage gewinnen, ehe wir uns einen durchschlagenden Erfolg von unserer gewaltigen Arbeit erhoffen können.

Zu diesem Zweck übergibt der Kulturbund Euch Deutschen Südslawiens seinen Kalender. Ihr findet darin Vertreter aller deutschen Gaue. Sein Stoffgebiet ist groß wie die eigenartige Mannigfaltigkeit des Deutschtums in Südslawien. Unser Kulturbundkalender soll nicht nur der Spiegel sein, wo wir die Züge des noch wenig bekannten Volksgenossen sehen und in brüderlicher Liebe umfassen können, in ihm sollen wir uns nicht nur kennen, verstehen und schätzen lernen, er soll nach schwerem Tagewerk nebst Freude und Erhebung uns auch nachhaltigen Gewinn bringen.

Der Kulturbundkalender werde und bleibe auch in künftigen Jahren unser gemeinsamer Freund und Berater, unser Tröster und Sorgenscheucher. Er lindere im sicheren Bewusstsein des treuen und innigen Mitgefühls Eure Sorgen, er kräftige In Sturm und Not des Lebens und entzünde in Euren herzen die Hoffnung auf eine schönere Zukunft.

Er werde jedes deutschen Hauses zuverlässiger Freund, von dem wir mit dem herrlichen Volkslied sagen können: „Ich hatt’ einen Kameraden, einen bessern findst du nit“.

Foto:

Deckel der ersten drei Ausgaben (1921/22/24)